ARBEIT IN PROFESSIONELLEN LERNGEMEINSCHAFTEN (PLG) WAS IST DAMIT GEMEINT?

Von Professionellen Lerngemeinschaften ist heute vielerorts die Rede. Bei der inflationären Verwendung dieses Begriffs besteht die Gefahr des „Etikettenschwindels“, wenn durch Unklarheit der modische Begriff zu einer neuen Bezeichnung für alte Strukturen und Prozesse wird, ohne dass dessen Gestaltungskraft erkannt und genutzt wird. „Professionelle Lerngemeinschaft“ bezeichnet ein bestimmtes Verständnis einerseits von einem besonderen Modus für die Zusammenarbeit in einer Berufsgruppe und andererseits von einer bestimmten Struktur, die für Schulentwicklung nach der Vorstellung einer Lernenden Schule zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das heißt fürs Erste: Lernen spielt eine zentrale Rolle, und das Selbstverständnis der Beteiligten ist, dass sie Lernende sind. (Schratz & Westfall-Greiter 2010, S. 110)


When teachers recognize that knowledge for improvement is something they can generate, rather than something that must be handed to them by so-called experts, they are on a new professional trajectory. They are on the way to building a true profession of teaching, a profession in which members take responsibility for steady and lasting improvement. They are building a new culture of teaching. (Hiebert and Stigler 2004, S. 15).

Professionelle Lerngemeinschaften (PLG) sind eine Schulentwicklungsstrategie mit Fokus auf wirksamen Unterricht. Lehrkräfte an einem Standort arbeiten in Gruppen, um Praxisfragen gemeinsam in Hinblick auf Lernergebnissen ihrer Schüler/innen anzugehen. Die PLG ist eine strukturierte Form der kollegialen Zusammenarbeit, um professionsbezogene Erkenntnisse und Kompetenzen zu fördern und fordern.

Um Wirkung zu haben, müssen sich Mitglieder als Lernende verstehen und die kollegiale Arbeit stets auf das Lernen der Schüler/innen fokussieren. Anders gesagt, PLG-Arbeit zahlt sich aus, wenn Lehrkräfte die Arbeit als Lernen über das Lernen ihrer Schüler/innen und die Wirkung ihres eigenen Tuns darauf verstehen.

Ein Beispiel: Ein Lehrerteam ist besorgt und sucht Lösungen für 8 Schüler/innen in einer Klasse, die in mehreren Fächern scheitern. In der PLG-Arbeit beschäftigen sich die Mitglieder nicht mit der Frage: "Warum scheitern diese Kinder?", sondern mit der Frage "Warum scheitern wir im Unterricht mit diesen Kindern?" Die Probleme und Lösungen werden bei der gelebten Praxis gesucht. Genauso kann und soll PLG-Arbeit auf Stärken abzielen. Statt "Warum sind diese Schüler/innen so erfolgreich?" stellen sie sich die Frage, "Warum sind wir im Unterricht mit diesen Schüler/innen erfolgreich?"

Anhand dieses Beispiels ist sichtbar, dass PLG-Arbeit orientiert an Praxis ist und von den Praktiker/innen bestimmt wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Personalentwicklungsmaßnahmen und Fortbildungen wird eine PLG von und für Kolleginnen und Kollegen gesteuert. Die Mitglieder bestimmen die Inhalte, die für sie relevanten Praxisfragen, die Struktur, den Zeitplan und die Erprobungsaufgaben. Sie einigen sich auf Spielregeln am Beginn und schauen darauf, dass der Fokus bleibt. Dabei nützen die Mitglieder bedarfsbezogen externe und interne Ressourcen, um ihr eigenes Lernen voranzutreiben. Manche beschreiben PLG-Arbeit deswegen als „flipped professional development“, d.h. „verkehrte Fortbildung“ verwandt mit dem Konzept „Flipped Classroom“.

In letzter Zeit hat sich einen Überbegriff für alle professionsbezogene, von-der-Praxis-für-die-Praxis Fortbildungsmaßnahmen etabliert, und zwar „Professional Learning“. So unterscheidet man zwischen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die von außen bestimmt und geleitet werden, und Maßnahmen, die selbstbestimmtes, kollegiales Lernen ermöglichen. Kollegiales Lernen in diesem Sinne ist lehrerzentriert, fortdauernd, stärkenorientiert und sozial. Es geht über die Vernetzung hinaus und stellt eine Dezentralisierung der Fort- und Weiterbildung, die durch vielfältige Ressourcen, nicht zuletzt Zeit und Raum, unterstützt wird.


Woran erkennt man PLG-Arbeit?

Eine Professionelle Lerngemeinschaft wird daran erkennbar, wenn

  •  die Mitglieder stets einen Fokus auf Lernen haben: Was sollen die Schüler und Schülerinnen lernen und wie werden wir wissen, dass sie es gelernt haben?
  • Kolleg/innen ihre Informationen, Erfahrungen austauschen und Praxen und Anliegen gemeinsam, kontinuierlich reflektieren.
  • Kolleg/innen dadurch neues Wissen, Fertigkeiten und Strategien erwerben.
  • das gemeinsame Ziel, die Lernergebnisse der Schüler/innen zu verbessern und dass alle Schüler/innen das Lernziel/Zielbild erreichen, im Zentrum der Arbeit steht.
  • die Mitglieder von-einander (Praxiserfahrung + Praxiswissen), mit-einander (neues Wissen + öffentliches Wissen) und für-einander (wir teilen unser Lernen mit Kolleg/innen) lernen.


Weiterführendes


Last modified: Thursday, 27 September 2018, 8:18 PM