Rückmeldekultur

(Last edited: Wednesday, 17 January 2018, 11:40 AM)

Die lernförderliche Rückmeldekultur bündelt drei aus den Top 10 Faktoren, die Hattie (2011) in seiner Rangliste als besonders effektiv identifiziert: Selbsteinschätzung der Schüler/innen (1), formative Evaluation des Unterrichts (3) und Feedback (10). Besonders die formative Evaluation ist ausführlich beforscht, wird aber leider sehr wenig im Unterricht genutzt (Neuweg, 2009).

Eine wirksame Rückmeldung führt also zu besseren Lernergebnissen, aber nicht jede Form der Rückmeldung wirkt gleich gut. Vier verschiedene Formen können unterschieden werden: Lob, Rat, Feedback und Response.

Lob und Rat sind häufig gut gemeint, aber kaum wirksam und gelegentlich sogar kontraproduktiv. Lob („Gut gemacht!“) kann beschämend wirken, wenn die gelobte Person denkt, dass sie es eigentlich nicht verdient hat. Rat („Du sollst mehr üben!“) ist ähnlich problematisch, da er meist sehr unspezifisch ist und entnervend wirken kann. Wer bereits viel übt, kann mit diesem Rat nichts anfangen. Lob und Rat sind darüber hinaus personenbezogen und mit Zuschreibungen und (Vor)Urteilen verknüpft.

Feedback und Response sind dagegen leistungsbezogen. Feedback zeigt auf, welche konkreten Schritte unternommen werden können, um die Leistung zu verbessern und welche Lernwege effektiver sind („Wenn du diese Teilbewegung übst, wirst du weiter springen können.“ „Du hast ziemlich schnell gesprochen, darum war es schwer zu verstehen. Probiere diesen Absatz langsamer zu sprechen, übertreib dabei!“). Response ist die subjektive Reaktion auf eine Leistung und hilft dabei, die eigene Wirkung auf andere zu sehen. Die Botschaft wird dabei meist in der Ich-Form formuliert „Ich bin begeistert, das war schön anzuschauen!“ „Ich habe mich ziemlich anstrengen müssen, um zu folgen. Das Tempo hat mich gestresst!“).  

Wirksame Rückmeldung ist zielorientiert (Was ist das Ziel?), handlungsorientiert (Was kann ich tun, um das Ziel zu erreichen?), prozessbezogen (Welche Strategien sind hilfreich? Welcher Fortschritt wird sichtbar?) und ergebnisbezogen (Wo stehe ich? Was ist noch zu tun?) (Hattie, 2011).

Auch eine förderliche Rückmeldekultur braucht klare Ziele, damit der Lernweg festgelegt werden kann und klare Kriterien (Maßstäbe), damit die Leistung entsprechend eingeschätzt werden kann und weitere effektive Schritte festgelegt werden können.

Literatur

Hattie, J. (2011). Visible Learning: Maximizing Impact on Learning. London: Routledge.

Neuweg, G.H. (2009). Schulische Leistungsbeurteilung: Rechtliche Grundlagen und pädagogische Hilfestellungen für die Schulpraxis. 4. Auflage. Linz: Trauner Verlag.

Westfall-Greiter, T. (2013). ZLS-Jahresschwerpunkt „Förderliche Rückmeldekultur“. 5 Minuten für..., 19 (2013). https://www.lernende-schulen.at/mod/forum/discuss.php?d=23

 

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