3 Normen

Wir bewerten alles - von Situationen hin zu Dinge - indem wir etwas mit einer Norm oder Maßstab einschätzen. In der Pädagogik sind drei Normen mehr oder weniger im Spiel: Während die Sozialnorm Menschen untereinander vergleicht, werden Leistungen, Produkte bzw. Prozesse nach einer Sachnorm verglichen. Denken Sie an professionelle Produktbewertungen in Konsumentenzeitschriften: Diese Bewertungen sind Soll-Ist-Vergleiche und werden nach vorher festgelegten (Sach-)Kriterien von Expertinnen/Experten gemacht, damit ein fairer Vergleich unter den Leistungen, Produkten bzw. Prozessen möglich ist. Bewertungen seitens Konsumentinnen/Konsumenten, wie sie etwa bei Online-Shops zu lesen sind, sind hingegen selten an klaren Kriterien und schon gar nicht an gemeinsamen Kriterien orientiert. So passiert es, dass die Bewertungen kaum vergleichbar sind und Online-Shops die Bewertungen mit der Frage, "Hat Ihnen diese Bewertung geholfen?" bewerten, um Brauchbares auszufiltern und weiter zu empfehlen. 

Die Individualnorm berücksichtigt den persönlichen Lernfortschritt auf dem Weg zum Ziel: Ich habe dort begonnen und bin jetzt da. 

In der Grundstufe I hat die Individualnorm einen besonderen Stellenwert. Daraus ergibt sich die Chance, den individuellen Entwicklungs- und Lernstand des Kindes zu berücksichtigen und ihm ggf. mehr Zeit zu lassen, damit durch die Beurteilung eventuelle Benachteiligungen beim Beginn nicht bestraft werden bzw. der persönliche Lernfortschritt Anerkennung bekommt. Mit der Feststellung des Leistungsstandes und Anerkennung des Lernfortschritts ist es aber nicht getan: Nächste Lehr- und Lernschritte sind auf Basis der Information festzulegen, damit bis Ende der Grundstufe I jede/r die gemeinsam verbindlichen Ziele erreicht.

Die Individualnorm ist auch im Sekundarstufenbereich vorgesehen und zwar in den Fächern Musikerziehung, bildnerische Erziehung, Bewegung und Sport, sowie Werkunterricht.

Die Rechtslage in Österreich sieht also primär Sachnorm vor, in manchen Fällen darf und soll die Individualnorm ins Spiel kommen. Die Anwendung der Sozialnorm, d.h. der Vergleich von Schülerinnen/ Schülern, ist nicht vorgesehen.

Siehe dazu die Leistungsbeurteilungsverordnung:

„Die Leistungsfeststellungen haben [...] zur sachlich begründeten Selbsteinschätzung hinzuführen.“ (§ 2 Abs. 5 LBVO)

„Der Lehrer hat die Leistungen der Schüler sachlich und gerecht zu beurteilen [...] und so eine größtmögliche Objektivierung der Leistungsbeurteilung anzustreben.“ (§ 11 Abs. 2 LBVO)

 

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